Jahrestagung 2026
Trotz allem – Hoffnung! Christlich-jüdische Perspektiven in einer Welt aus den Fugen
Wer in diesen Tagen die Nachrichten wahrnimmt, erlebt eine Welt aus den Fugen – Krise, Krieg und Sorgen, soweit Augen und Ohren reichen: Die dramatische, zunehmend aussichtslos erscheinende Lage in Israel, Gaza und der Westbank. Parallel der nicht endende Krieg in der Ukraine und die Angst vor weiterer Eskalation. In Deutschland wachsende gesellschaftliche Spannungen, Antisemitismus und Rechtsextremismus. Und eine Kirche, die mit ihrem Bedeutungsverlust zu kämpfen hat – mit Folgen nicht zuletzt für Möglichkeit und Breitenwirkung von christlich-jüdischem Gespräch.
Angesichts all dessen – und ‚trotz alledem‘ – wollen wir über „Hoffnung“ ins Gespräch kommen: Was bedeutet Hoffnung in unserer christlich-jüdischen Tradition? Wie können wir uns selbst und Andere – welche Anderen? – ermutigen (lassen)?
Diesen und weiteren Fragen wollen wir in theoretischer wie praktischer Perspektive nachgehen.
Es freuen sich auf Eure Teilnahme:
Olivia Graffam, Elisa Koch, Hanna Kuchenbuch, Anna Nguyen-Huu, Tobias Pfeifer, Bernd Schröder, Marcus Tyburski
Freitag, 2. Januar 2026
14:00
Eröffnung
Ankunft und Begrüßungskaffee
15:00
Verein
Mitgliederversammlung
18:00
Pause
Abendessen
19:15
Eröffnung
Hoffnungsperspektiven - eine interaktive Annäherung
Tagungseröffnung und Einführung ins Thema
20:15
Impuls
Hoffnung in der biblisch-hebräischen Vorstellungswelt
Impuls und Diskussion mit Prof. Dr. Marianne Grohmann, Wien
21:00
Freizeit
Ausklang
Samstag, 3. Januar 2026
07:15
Pause
Frühstück
08:30
Spiritualität
Andacht
09:00
Workshops
Workshoprunde I
10:15
Pause
Kaffeepause
10:45
Vortrag
"Seid nicht träge..., seid fröhlich in Hoffnung" (Röm 12)
Theologische Überlegungen im christlich-jüdischen Kontext
Vortrag und Diskussion mit Prof. Dr. Hartmut von Sass, Hamburg
12:30
Pause
Mittagessen / Pause
14:30
Workshops
Workshoprunde II
15:45
Pause
Kaffeepause
16:15
Austausch
World-Café
Eigene Sprachversuche und Handlungshorizonte
18:00
Pause
Abendessen
19:30
Freizeit
Bunter Abend
Sonntag, 4. Januar 2026
07:15
Pause
Frühstück
09:00
Spiritualität
Gottesdienst
10:00
Pause
Kaffeepause
10:15
Vortrag
Jüdische Hoffnung in Tradition und Moderne
Vortrag und Diskussion mit Rabbiner Samuel Vingron, Berlin
12:00
Planung
Abschluss und Themenwahl für die Jahrestagung 2027
12:30
Pause
Mittagessen und Tagungsende
Workshops
| Titel | Inhalt | Workshopleitung |
|---|---|---|
| Den Liebesvorrat in dieser Welt auffüllen – Hoffnung in den Tagebüchern der Etty Hillesum (mit Anna Nguyen-Huu) | Etty Hillesum war eine jüdische Frau im Amsterdam der Nazi-Zeit, Juristin und Slawistin, religiös nicht gebunden, weder jüdisch noch christlich. Genau wie die 15 Jahre jüngere Anne Frank wollte sie Schriftstellerin werden, wenn sie überlebt hätte. Ihre Tagebücher aber sind sehr anderer Art als die von Anne. Sie beschreibt kaum Tagesgeschehen oder konkrete Ereignisse. Sie sucht Worte für ihre innere Entwicklung, für ihren Weg raus aus Angst und Chaos hin zu Klarheit und Gelassenheit und Freude. Sie greift dabei auch Gedanken auf aus der Hebräischen Bibel und aus dem Neuen Testament, aber in ihrer ganz eigenen Weise. Wir lesen und besprechen miteinander Abschnitte aus ihren Tagebüchern. | Anna Nguyen-Huu (Jahrgang 26) ist Pfarrerin in der Stephanus-Gemeinde Berlin-Zehlendorf. |
| Zwischen Kreuz und Kritik – Hoffnung bei Moltmann und Adorno (mit Dr. Simon Layer) | Kann Hoffnung auch in der Negation aufscheinen? Wir befragen Moltmanns Zukunftsvisionen und Adornos kritisches Denken nach ihrem Potential für eine Hoffnung, die weder naiv noch illusionslos bleibt. Dabei diskutieren wir die Möglichkeiten und Grenzen von Hoffnung in einer Welt voller Brüche und Beziehungen. | Simon Layer ist promovierter Theologe (Systematische Theologie/Dogmatik) und Pfarrer der Badischen Landeskirche. |
| „Was war in der Büchse der Pandora?“ – Antike jüdische und nichtjüdische Texte rund um die Hoffnung (mit Prof. Dr. Martin Vahrenhorst) | Der Mythos von Pandora, in deren "Büchse" (eigentlich war es ein Krug...) am Ende nur die Hoffnung blieb, war in der Antike sehr bekannt. Griechische Autoren erzählen unterschiedliche Fassungen und auch die Rabbinen kennen sie. Die Erzählungen, die in diesem Workshop gemeinsam gelesen werden, laden dazu ein, danach zu fragen, was es mit der Hoffnung eigentlich auf sich hat. | Martin Vahrenhorst (Jahrgang 14) war von 2007 bis 2015 Studienleiter von „Studium in Israel“ und ist seit 2023 Professor für Neues Testament an der Universität des Saarlandes |
| Hoffnung“ in der Amida (und in anderen Texten des Siddur) (mit Jan-Niklas Zemmel) | Besprochen werden bekannte und unbekannte(re) Texte des Siddur zum Thema "Hoffnung"; dabei kommen auch die – gerade bei diesem Thema markanten – Varianten zwischen orthodoxer und liberaler Lesart in den Blick. | Jan-Niklas Zemmel ist Einrichtungsleiter des Synagogenzentrums Potsdam |
| Wo sitzt die Hoffnung im Körper und was bewirkt sie? Neutestamentliche Perspektiven (mit Prof. Dr. Peter Wick) - nur nachmittags! | Hoffnung erwartet eine Differenz zwischen der Gegenwart und der Zukunft, zwischen den Erfahrungen des jetzigen und des erwarteten zukünftigen Lebens. In diesem Sinn betrifft Hoffnung ganz besonders das körperliche Leben in dieser Welt und besitzt körperliche Dimensionen. Hier sollen entsprechende biblische Traditionen untersucht werden. | Peter Wick ist Professor für Neues Testament an der Ruhr-Universität Bochum. Er erforscht unter anderem die Verwurzelung von Paulus und Matthäus und anderen im Neuen Testament im Judentum ihrer Zeit. Seit einigen Jahren arbeitet er an einer Körper-Theologie des Neuen Testaments. |
| „Hoffnung“ in der Schule I und II (mit Dr. Henning Hupe) - Teil I am Vormittag, Teil II am Nachmittag | Der Workshop am Vormittag widmet sich Jesuanischen Impulsen zur Diskussion um Klima, Hoffnung und letzte Generation; derjenige am Nachmittag inner- und außerschulischen Handlungssettings als Chance für Eigenverantwortung, Partizipation und Hoffnung. Beide Workshops bauen aufeinander auf, können aber auch separat besucht werden. | Henning Hupe ist promovierter Neutestamentler und Habilitand, im Hauptberuf Studienrat am Hebel-Gymansium in Schwetzingen. |
| Zwischen Entsetzen und Trotzkraft: Bericht und Austausch zur Arbeit von „Studium in Israel“ in Jerusalem (mit Dr. Milena Hasselmann und Ann-Kathrin Hasselmann) - nur vormittags! | Das Begleitprogramm als Komplementärstück zum universitären Studium steht in der Herausforderung und der Freiheit, das Studienjahr um Aspekte zu ergänzen, die im Studium nicht vorkommen, die aber nötig und hilfreich sind, um sich in Land und in der Region in all ihrer Komplexität bewegen zu können - das galt schon immer und gilt aktuell umso mehr. Im Workshop berichtet die Studienleitung von konkreten Veranstaltungen, vor allem aber von den Überlegungen, die die Auswahl und Planung der Veranstaltungen sowie die Arbeit insgesamt leiten. Sie freut sich über Eindrücke, Anmerkungen und ein gemeinsames Nachdenken darüber, wie „Studium in Israel“ davka achschaw Ort und Medium der Reslilienz und der Hoffnung sein kann, ohne in Einseitigkeiten oder Verzweiflung zu verfallen, ohne „business as usual“ zu machen und ohne die Kernelemente des Programms aufzugeben. | Milena und Ann-Kathrin Hasselmann sind seit März 2025 Studienleiterinnen von „Studium in Israel“ in Jerusalem. |
| The Parents Circle – Families Forum (PCFF): Hoffnung am Horizont (vormittags mit Ikhlas Ishtaya und Mor Ynon, nachmittags mit Ikhlas Ishtaya und Tova Buksbaum) - Zuschaltung per Zoom | The Parents Circle – Families Forum (PCFF) is a unique organization made up of more than 600 Israeli and Palestinian bereaved families. Since its establishment, the members – all of whom have lost a family member to the conflict – have undertaken a joint effort, during ongoing violence, to transform their incredible loss and pain into a catalyst for reconciliation and peace. They choose to convert anger and revenge, helplessness, and despair, into actions of hope. PCFF is a fully joint Israeli-Palestinian organization at all levels. With more than 25 years of experience in implementing reconciliation and peace education programs in Israel and the West Bank, the organization's bereaved members speak publicly at over 300 reconciliation, dialogue and public events each year, and operate educational, public awareness, and advocacy projects that foster humanization and empathy towards the "other", both Israelis and Palestinians. | IKHLAS ISHTAYA lives in the village of Salem, in the West Bank. She and her sister were both born blind. In 2004, her father, Sayel Ishtaya, on his way home from work, was shot and killed by an Israeli settler. After some time, she chose to join the Parents Circle, and is an active member of the Women’s Group. MOR YNON is based in Tel Aviv. On October 7, 2023, her parents, Belha and Yaakov, were killed in their home in Moshav Netiv Ha’Asara by Hamas. The pain of losing them was a wake-up call and a reminder to pursue peace with a commitment to equality, justice, and security for everyone. Mor worked in global high-tech for 25 years, developing strategies and performance measures. Today she serves as the Israeli co-Chair of the Parents Circle Board of Directors. TOVA BUKSBAUM lives in the North of Israel. She is a mother of 3 and a grandmother to 5. She is a clinical psychologist and an activist. In 1970, she lost her brother, Haim Geiger, who was a soldier in the Israeli army. She also lost her cousin, Kurt Yossef Gutfreund, who was one of the 11 Israelis sportsmen killed in the 1972 Munich Olympic massacre. Tova joined the Parents Circle Families Forum 15 years ago. |
| "... und die Palästinenser:innen?" (mit Dr. Volker Haarmann) | Christliche Palästinenser:innen leiden derzeit in bislang ungekanntem Maß unter der israelischen Besatzung und unter Übergriffen militanter Siedler, aber auch unter der islamistischen Hamas. Zugleich eckt palästinenische Theologie immer wieder an Grundüberzeugungen, die in Deutschland im christlich-jüdischen Dialog gewonnen wurden. Welche Brücken lassen sich zu ihnen bauen, welche Zeichen der Hoffnung setzen? Der Workshop gibt Raum für solche Fragen. | Dr. Volker Haarmann (Jahrgang 22) ist Leiter des Dezernats "Theologie und Gemeinde" der Evangelischen Kirche im Rheinland. |