Predigtmeditationenplus
im christlich-jüdischen Kontext
Zur Perikopenreihe IV
plus
„Tiqqun olam - Prophetisch predigen"
Erscheinungsdatum: November 2011
ca. 500 Seiten
Preis: 14,80 € + Versandkosten
Im Abonnement: 10,00 € + Versandkosten
Geleitwort von Bischöfin Ilse Junkermann,
Landesbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland
Wie spannend war das, als ich als junge Pfarrerin eingeladen war ins Lehrhaus der Tübinger Prophezey. Dort unterwiesen uns – im besten Sinne des Wortes – die Kolleginnen, die am Programm „Studium in Israel“ teilgenommen hatten, in einem Studium der Heiligen Schriften in Israels Gegenwart. Im Theologiestudium war mir dies kaum begegnet – so die Schrift auszulegen, dass das „Alte Testament“ als eigenständige Heilige Schrift des Volkes Israel mit eigener Auslegungsgeschichte bis heute wahrgenommen, verstanden und respektiert wird. Auch der jüdische Kontext des Neuen Testaments – er kam selbstverständlich vor, doch wie oft als Negativhintergrund für das „Neue“ des Neuen Bundes! Jesus und Paulus als jüdische Schriftausleger – undenkbar! Dabei hatte mich seit meiner späteren Schulzeit die Frage bewegt, wie man die Bibel so verstehen kann, dass sie nicht weiter für Verfolgung und Unterdrückung instrumentalisiert werden kann.
Tief berührt haben mich die dialogischen Bibelauslegungen in der Arbeitsgemeinschaft Juden und Christen beim Deutschen Evangelischen Kirchentag in Frankfurt a. M. 1971. Dass Juden überhaupt mit Christen in Deutschland über der Bibel ins Gespräch kommen und wie sie miteinander sprechen können, das hat mir eine neue Welt eröffnet. Lange blieb dieses Gespräch etwas Besonderes, eben zum Kirchentag gehörig, das im Alltag als Theologin und Pfarrerin nicht zu finden war. Ob eine „Theologie nach Auschwitz“ als eine Theologie und Verkündigung, die sich ihrer antijudaistischen Tradition bewusst ist, jemals in Kirche und Gemeinden mehr als einen Sonderstatus wird einnehmen können?
Die Predigtmeditationen im christlich-jüdischen Kontext sind ein wesentlicher Beitrag dazu geworden. Sie helfen, dass Predigerinnen und Prediger und damit hoffentlich auch die hörende Gemeinde nicht nur am Israelsonntag, vielmehr an jedem Sonntag und bei jeder Perikope die jüdische Schriftauslegung und Vielstimmigkeit mithören – und damit allermeist anders als „christlich gewohnt“ hören kann.
Großer Dank der ganzen Kirche gebührt allen, die hier ehrenamtlich mitwirken und meist im drängenden Alltag als Pfarrerin und Pfarrer eine Predigtmeditation „auch noch“ unterbringen. Und eben wesentlich mehr, als „unterbringen“! Den Meditationen ist abzuspüren, dass Menschen hier eine Mission in die Mitte von Theologie und Kirche hinein wahrnehmen. Ihrem „Studium in Israel“ verpflichtet, tragen sie zu einem wesentlichen Teil dazu bei, dass die Erkenntnisse einer israelverbundenen Bibelwissenschaft und – nicht zuletzt auch dank Friedrich-Wilhelm Marquardts großer Freude an der Schrift und Schriftgelehrsamkeit – auch der Systematischen Theologie und des eigenen Studiums jüdischer Schriftauslegung weite Verbreitung in die Pfarrämter und Gemeinden hinein finden – eben in die Auslegung eines jeden aufgegebenen Predigttextes hinein. Zwei Aspekte möchte ich nennen, die mich in Folge dieser Schriftauslegung beschäftigen.
Der eine Aspekt ist: ich habe gelernt, dass schon die Methode der Schriftauslegung uns davor schützen kann, Gott in seinem Wort fest zu legen oder gar sein Wort für unsere Zwecke zu instrumentalisieren. Denn die Methode jüdischer Schriftauslegung ist untrennbar mit der Vielstimmigkeit der Auslegung und Ausleger verbunden. Es gibt darin keine letztgültige oder einstimmige Position, gerade dies wäre ein untrügliches Zeichen für ein Missverstehen der Schrift. Dies ist eine gute, die beste Schule für unsere Diskursfähigkeit, die unbestritten als Kennzeichen evangelischen Kircheseins gilt und dennoch manches Mal nur schweren Herzens bejaht wird. Wie oft leiden evangelische Christenmenschen darunter, dass das mutuum colloquium, das wechselseitige Gespräch, nicht zu einem verbindlichen Standpunkt führt! Hier können wir von unseren älteren
Glaubensgeschwistern lernen. Wir können von ihnen lernen, dass das mutuum colloquium ein dauerndes ist, dass gerade so das Wort ein lebendiges – und ein durch das Maß menschlicher Erkenntnis begrenztes – Wort bleibt.
Und ein zweiter Aspekt beschäftigt mich: „Theologie nach Auschwitz“ – das bleibt die Krise der christlichen Theologie mit ihrer Wirkungsgeschichte. Diese Krise ist nicht irgendwann überwunden. Sie gehört vielmehr ins Zentrum unserer Geschichte, die als Gegenwart und Zukunft vor uns, nicht hinter uns, liegt, die präsent bleibt und so vor Rückfällen bewahren mag. Ich frage mich, ob wir mit dieser Krise hermeneutisch so grundlegend ernsthaft umgehen, wie es ihr angemessen ist. So wird es uns innerhalb des Reformationsgedenkens gut anstehen, Martin Luthers Lektüre und Auslegung der Hebräischen Bibel vom Neuen Testament und von dem her, was Christum treibet, grundsätzlich in Frage zu stellen. Gewiss dürfen wir als Christen aus den Heiden von Gottes Geschichte mit seinem Volk Israel mit allen Höhen und Tiefen lernen. Gewiss dürfen wir manche Verheißung und manche prophetische Kritik auch auf uns Christen beziehen. Und gewiss dürfen wir uns ganz auf Jesus Christus allein als Grund und Ziel unseres Glaubens verlassen. Aber wir dürfen in dem allen nicht das Volk Israel, das bleibende Licht der Völker, enteignen. Diese Re-formation unserer Schriftlektüre steht noch weitgehend aus. Die Predigtmeditationen im christlich-jüdischen Kontext mögen geistlich-theologische Kraftquelle genau dafür weiterhin sein.
ISBN-10: 3-9809932-6-4
ISBN-13: 978-3-9809932-6-5
Herausgegeben von:
Verlag "Studium in Israel"
c/o Pfr. Dr. Johannes Wachowski
Wernsbach 32
91629 Weihenzell
Fax: 0981/82569
predigtmeditationen@studium-in-israel.de
Studium in Israeal e.V. – Ein Studienjahr an der Hebräischen Universität Jerusalem
